•  „we ought to view pots as a starting place, for the discovery of the cause of the person’s problem, rather than the final answer for what the patient actually has… „ Dr Rowe,  Vanderbilt University 

Hat nun das Ergebnis vom  Kipptischtest und/oder der Schellongtest ergeben, dass eine Posturale Orthostatische Tachykardie vorliegt, so ist damit weder geklärt, was die eigentliche Ursache ist oder wie eine zielführende Behandlung ausssehen soll, denn bei POTS handelt es sich um ein vieldeutiges Syndrom. In manchen Fällen ist die Orthostatische Tachykardie nur ein Hinweis auf eine darunterlegende Erkrankung, die das autonome Nervensystem in Mitleidenschaft zieht. Es sind daher zur näheren Abklärung weitere Untersuchungen notwendig.

Bestimmt ist schon vor der Diagnose POTS

  • eine Blutuntersuchung (großes Blutbild, alle Eisenwerte, Ferritin sollte über 50 Mikrogramm pro Liter sein – als POTSie sollte der Speicher bis zum oberen Bereich der Normalwerte aufgefüllt werden,  Elektrolyte, B 12 –  Homocystein, Holo-TC-Tests und MMA-Urin/Blut-Tests, Blutgaswerte)
  • ein Besuch beim Endokrinologen gemacht worden, um allgemeine Krankheiten, die ein POTS erzeugen oder verstärken können, ausschließen zu können, zB:  Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes insipidus, Underprouktion von Aldosteron (bei POTS nicht selten), Cushing-Syndrom (Überproduktion an Cortisol), Morbus Addison (Mangel an Nebennierenrindenhormonen), Unterzuckerung z. B. bei Insulinom, Nebenschilddrüsenerkrankungen, Phäochromozytom, Testosteronmangel.
  • ein EKG und Langzeit EKG, um Fehler am Reizbildungssystems des Herzens oder eine AV-Knoten Reentrytachykardie auszuschließen und
  • eine Ultraschalluntersuchung des  Herzens, um Herzfehlbildungen (z. B. peripartale Kardiomyopathie) auszuschließen (evtl. das genaue sog.  Schluckecho)
  • evtl. sogar ein MRT von Kopf und Hals durchgeführt worden.
  • Ebenso gab es eine ausführliche  Erstanamnese der Krankengeschichte .

Doch sollte nun erneut eine detailliertere und spezifischere Befragung hinsichtlich POTS und Vorerkrankungen, Coerkrankungen, familiäre Belastungen, Medikamente, Kopftrauma, etc. (siehe sekundäre Ursachen, Seite „Was ist POTS“)   durchgeführt werden. Dazu z.B. folgende Untersuchungen:

  • Messung des Metaphrinespiegels im Blutplasma, um ein Phäochromozytom auszuschließen;
  • Blutuntersuchungen zur Suche nach Autoimmun-Antikörpern (allgemeine wie ANA, ANCA, AChR-AK, dsDNA, GAD-65, speziellere Antikörper gegen Gliadin, Cardiolipin, CCP, MPO, GBM, MAK, PR3 und POTS spezifische Auto-Antikörper gegen Alpha1-adrenerger-Rezeptor, Alpha2-adrenerger-Rezeptor , Muskarin-1-Rezeptor, Muskarin-2-Rezeptor, Muskarin-3-Rezeptor, Muskarin-4-Rezeptor, Muskarin-5-Rezeptor, Beta1-adrenerger-Rezeptor, Beta2-adrenerger-Rezeptor; Link1; Link2; Bei Autoimmunerkrankungen kann es nach dem Auftreten von Symptomen mehrere Jahre dauern, bevor diese im Blut nachgewiesen werden können;
  • Messung von Noradrenalin im Blutplasma im Liegen und in aufrechter Position (mindestens 10 Minuten warten bei beiden Positionen, dann messen).  Bei vom POTS Betroffenen ist der Wert beim Liegen meist unauffällig, beim Stehen häufig erhöht (>600pg/ml);
  • Belastungs-EKG um evtl. Belastungsintoleranz (Sportintoleranz) zu dokumentieren und Veränderungen in der  Therapie zu quantifizieren;
  • Untersuchungen zu SFN = Small Fiber Neuropathien (Hautbiopsie, MIGB-Szintigraphie  zur Untersuchungen der sympathischen Innervation des Herzmuskels; Quantitativer sudomotorischer Axonreflextest (QSART) zur quantitativen Bestimmung der Schweisssekretion oder ein Thermoregulatorischer Schweisssekretionstest (TST), um das Ausmass einer Hypo-/Anhidrose in Bezug auf die ganze Körperoberfläche zu bestimmen (siehe auch Untersuchungen des autonomen Nervensystems);
  • Speicheldrüsenbiopsie zum Ausschluss des Sjörgen Syndroms;
  • Beigthon Score Screening Test zur Feststellung der Hypermobilität;
  • Falls Flushs (Erröten) auftritt dann Messung des Methylhistaminspiegels im Urin nach einem Flush, um festzustellen, ob ein Mastzellaktivitätsyndrom vorliegt;
  • Messung des Basis-Tryptase-Wertes (>8ng Hinweis auf Erbliches Alpha-Tryptasemie Syndrom);
  • Testung auf  Erreger wie Herpes Simplex, Humanes Herpes Virus 6 (HHV6), Epstein Barr Virus (EBV), Cytomegalie Virus (CMV), Varizella Zoster Virus (VZV), Borrelien und Chlamydophila pneumoniae . Dazu Test auf weitere Bestandteile und Marker des Immunsystems, wie TNF-alpha (-> wichtigster Entzündungsindikator), C-reaktives Protein (CRP -> zeigt bakterielle Infektion an), Neopterin (-> zeigt virale Infektion an), Cystatin C,zirkulierende Immunkomplexe (CIC) . Interessant sind auch noch gamma-Interferon und Interleukin 6 (IL 6));
  • Untersuchungen im Schlaflabor (Polysomnografie);
  • Abklärung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, -allergien, Fehlbesiedelungen des (Dünn) darms;
  • Genetische Untersuchung (Ehlers-Danlos-Syndrom, Marfan, fehlerhafte Verarbeitung des Vitamin B12 bei guter Resorption….).
  • Aufrechtes MRT bei Verdacht auf Chiari Fehlbildung oder Instabiler Halswirbelsäule, da diese bei den üblichen MRTs im Liegen nicht abgebildet werden.

Es kann schon sein, dass weiterführende Untersuchungen von ärztlicher Seite abgelehnt werden, denn in drei ärztlichen Leitlinien, in denen POTS erwähnt wird (Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden und   Leitlininen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zu Synkopen und der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie) , wird nicht auf eine weitergehende Diagnostik hingewiesen, im Gegenteil. Bei der ersteren wird direkt abgeraten, um die Symptome nicht zu verstärken, bei der zweiten wird eine weitere Ursachenforschung i.d.R. für nicht notwendig erachtet. Nur die Pädiatrischen Leitlinie bleibt relativ neutral hinsichtlich weiterer Untersuchungen. Dennoch, vorgeschlagen wird auch hier keine tiefergehende Diagnostik. Es reicht auch den Kinderkardiologen POTS  als Ursache für Synkopen festgestellt zu haben.

Für erste Therapievorschläge mag die reine Symptombehandlung auf den ersten Blick ausreichend sein, doch ist POTS in manchen Fällen ein wichtiges Symptom für eine verursachende Krankheit und es wäre wichtig, diese so schnell wie möglich zu behandeln. Weiterhin hat POTS eine Ursache und diese muss gefunden und behandelt werden, denn es gibt keine Garantie, dass die Symptombehandlung ausreicht, um ein relativ normales Leben zu führen. Außerdem kann sich die Grunderkrankung verschlimmern und sich die Symptome massiv verschlechtern. Es droht dann evtl. Arbeitsunfähigkeit und sogar der Verlust der Selbstständigkeit. Es ist daher nicht zu verantworten darauf zu warten, dass sich POTS einfach wieder auswächst.

Hilfreich für den Arzt und seine Entscheidungsfindung hinsichtlich weiterer Untersuchungen könnte der Artikel Posturales Tachykardiesyndrom, von  Haensch, Wagner,  Mallien und Isenmann  (Autonomes Labor, Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, HELIOS Klinikum Wuppertal aus dem Jahr 2013)  sein. Der in der Zeitung „Nervenheilkunde“  erschienene Artikel kann, falls ihn der Arzt nicht kennt, heruntergeladen, ausgedruckt und dem Arzt an die Hand gegeben werden.

Als Beispiel für einen Testalgorismus zu Blutuntersuchungen bei ideopathischem POTS (Dysautonomien, Tumore) möchte ich hier auf den der amerikan. Mayo-Klinik verweisen: Blutuntersuchungen bei POTS

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