Vom POTS Betroffene werden ziemlich häufig mit der Diagnose „Angststörung“ konfrontiert. Die Geschichte verläuft meist folgendermaßen: Bei der Untersuchung beim Kardiologen  wird kein Kipptisch gemacht, die orthostatische Tachykardie bleibt unentdeckt und die normalen Untersuchungen sind +/- unauffällig. Jedenfalls ist kein ausgesprochen niedriger Blutddruck, der die Symptome für die Kardiologen erklären würde, messbar.  Deshalb wird angenommen, dass es sich vielleicht um psychogene Synkopen handelt.  Erlebt der Betroffene dann einige Episoden mit Synkope (Kreislaufkollaps) oder Präsynkopen, dann kann sich auf diesem Weg eine Panikattacke entwickelt haben. Bis  der evtl. gerufene Rettungswagen da war, der Betroffene im Krankenwagen lag und notfallmäßig untersucht wurde, hat sich das Herz längst wieder beruhigt. In starker Erinnerung  bleibt jedoch die Panikattacke. Angst  erhöht den Herzschlag und bei einer Panik kommt es zum Herzrasen, so liegt bei fehlenden anderen harten Werten nahe, die Synkope und das Herzrasen ärztlicherseits durch eine Panikattacke zu erklären. Entgegnet der Betroffene, es wäre zuerst der Schwindel und der präsynkope Zustand, das Herzrasen, der Druck auf die Brust, ….. dagewesen und erst dann die Panik dazugekommen, wird darauf entgegnet, dass vielleicht ein leichter Schwindel da war, zB. vom zu schnellen Aufstehen oder ….. , aber dann hätte die Angst vor einer Synkope zu einer echten Panikattacke geführt. Ohne die Angst vor der Angst hätte es daher die Panik und auch die Synkope nicht gegeben. Es wird nun eine Angst/Panikstörung diagnostiziert und evtl. eine Psychotherapie, Cardiotraining und/oder medikamentöse Behandlung einer Panikstörung angeraten.

Liest man sich die Symptome zur Panikstörung durch, wird man viele Ähnlichkeiten mit dem Zustand vom POTS bei  Präsynkope feststellen können. Das ist auch nicht verwunderlich. Bei der Panikreaktion bereitet sich der Körper mit erhöhter Adrenalin-Ausschüttung blitzschnell auf eine Kampf-/Fluchtreaktion vor. Bei der Präsynkope bei POTS soll aber die stark erhöhte Ausschüttung von Adrenalinen einen Kreislaufkollaps verhindern. Eine gefühlte Wirkung des Adrenalinausstoßes, die Panik, ist dabei gleich. Die Ursache ist aber grundverschieden. Wie leicht es dann zu einer Umdefinierung/Fehldiagnose vom POTS zur Angststörung kommt,  ist gut an diesem Beitrag „Schwindel“ der MASH Münchner Angst-SelbstHilfe c/o Angst-Hilfe e.V. München zu erkennen.

Kann POTS zu einer Angststörung beitragen? Meiner Meinung nach, ist es keine Störung, wenn man sich ängstlich fühlt, weil man durch Schwindelgefühl gangunsicher wird, die Umwelt nicht mehr fokussieren kann,  sich nicht mehr ausreichend konzentrieren kann, sich im Gehirn das Gefühl von „Nebel“ breit macht. Wie soll man denn in diesem Zustand den Ansprüchen des normalen Lebens, besonders die des Arbeitslebens, gewachsen sein? Daraufhin eine Angst hinsichtlich konkreter, durch Schwindelgefühl überfordernde Situationen, zu entwickeln, ist vielleicht störend, aber völlig normal. Trotzdem hatten, bei einer standartisierten Untersuchung von POTS Betroffener hinsichtlich Angststörungen (structured evaluation for Diagnostic and Statistical Manual),  diese weder vermehrt Angststörungen, noch Depressionen  und auch keinen höheren Verbrauch an Psychopharmaka/Drogen, verglichen mit der Normalbevölkerung  Abstract/FREE Full Text. Eine ausführliche Fallbeschreibung kann auch hier nachgelesen werden.

Auch in Deutschland ist eine Studie speziell zum POTS und Angststörungen gemacht worden und die Untersuchenden haben das Ergebnis so interpretiert, dass die Angst ein Begleitsymptom des orthostatischen Syndroms darstellt, nicht aber die Ursache.

Hat jedoch ein vom POTS Betroffener das Gefühl, dass sein Leben, zusätzlich zu den körperlichen POTS Symptomen, durch zu viel Angst vor überfordernden Situationen eingeschränkt wird, so sollte er eine Therapie gegen die Angst unbedingt in Betracht ziehen.

Advertisements

»

  1. Marlene sagt:

    Hi,
    Ich wurde vor ein Tagen (endlich) mit POTS diagnostiziert.
    Dieser Beitrag „POTS und Angstzuständen“ ist als hätte jemand einen Ausschnitt aus meinem Leben geschrieben. Ich leide schon mein ganzes Leben lang an den Symptomen von POTS, sind aber in den letzten Monaten schlimmer geworden. Nach mehreren Arztterminen, wurde bei mir eine angebliche Panikstörung diagnostiziert und eine Verhaltenstherapie verschrieben. Doch nachdem ich auf der Arbeit eine kurze Synkope hatte und ich ins Krankenhaus gebracht worden bin, wurde (nach der Kipptischuntersuchung) POTS festgestellt.
    Obwohl die Diagnose nichts zum freuen ist, bin ich so dankbar dass ich endlich einen Beweis habe dass ich es mir nicht nur eingebildet habe.
    Vielen Dank für diese Website und vor allem vielen Dank für diesen Beitrag, denn er spiegelt genau das wieder, was ich und wahrscheinlich sehr viele Leute durchgemacht haben.

    • Christopher sagt:

      Mich würde es interessieren wie es dir 1 jahr später ergeht ?
      Ich bin nämlich gerade an dem selben punkt und frage mich ob es überhaupt jemals weg geht bzw aufhört.
      Aus dem nichts kam „es“ und hat mein Leben auf den Kopf gestellt.
      Kein fussball, kaum noch freunde treffen , arbeit beginnt jetzt wieder nach 4 wochen pause. bei körperlich schwerer arbeit ist nen witz , denn das scheinbar einzige was mir hilft ist die Liegeposition..

      Ich hoffe täglich das es einfach wieder aufhört nur leider konnte man sowas hier noch nicht lesen.
      Lg Christoph

      • potsieplatz sagt:

        Hallo Christoph, herzlich willkommen und es tut mir leid, dass du nach „POTS“ suchen musste. Und ja, es gibt Leute, bei denen sich nach einiger Zeit die Symptome wieder verbessern, sie belastbarer werden und sie sich wieder gesund fühlen. Das kann ich dir aber nicht versprechen. Manchmal tritt eine Posturale orthostatische Tachykardie nur für einen kurzen Zeitraum auf, von einem Posturalen orthostatische Tachykardie Syndrom(!) spricht man daher eigentlich erst nachdem die Symptome mindestens ein halbes Jahr andauern.

        Du solltest jedenfalls deine Hoffnung nicht aufgeben und in der Zwischenzeit die nicht medizinischen Tipps, wie angepassten Sport, viel Salz, ausreichend trinken,…umsetzen. Wirst du denn gut von einem Arzt betreut? Kennst du die Ursache für deine orthostatische Tachykardie?
        Viele Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s