Die Informationen in diesem Blogbeitrag sind aus “ The Dysautonomia Project“ von Kelly Freeman, MSM, David S. Goldstein, MD, PhD, Charles R. Thompson, MD, 2015.

Orthostatische Intoleranzen (OI) sind bei Dysautonomien eines der häufigsten Symptome. Ungefähr 40 % aller von Dysautonomien Betroffener leiden auch unter Synkopen, 60% berichten von Schwindelgefühlen und Benommenheit. OI ist nicht eine einzelne Erkrankung, sondern ein ganzes Spektrum. Es umfasst die episodische orthostatische Intoleranz, die chronische orthostatische Intoleranz und den sympathischen neurozirkulatorischen Ausfall.

Episodische Orthostatische Intoleranz

Hier heißt episodisch, dass die Intoleranz so selten auftritt, dass keine Behandlung nötig ist. So gut wie jeder erlebt im Leben mindestens eine OI oder sogar eine Synkope. Ursache dafür können eine Dehydrierung sein oder längere Bettruhe oder eine heftige akute Erkrankung. Es ist die gesunde Reaktion eines ansonsten normal funktionierenden autonomen Nervensystem, auf eine relativ kurzfristige abnorme Blutzirkulation. Natürlich ist es beim ersten Auftreten der OI nicht immer möglich zu entscheiden, ob es nur eine episodische OI, eine chronische OI oder doch ein erster Hinweis auf eine schwerwiegendere Erkrankung ist. Da hilft nur der diagonstischer Ausschluss dieser und eine genaue Beobachtung von Blutdruck und Herzrate über einen ausreichenden Zeitraum.

Chronische Orthostatische Intoleranz

Die meisten Patienten mit OI und Dysautonomien fallen in dieses Segment. Die hier häufigsten sind POTS (posturales orthostatisches Tachykardie Syndrom) und die autonom vermittelte Synkope (Neurokardiogene Synkope, Vasovagale Synkope). Die Stärke der Symptome flukturiert in der Regel über die Zeit, aber die Betroffenen haben beim Stehen konstant Beschwerden, wie niedrigen Blutdruck oder Tachykardien oder beides gleichzeitig. Ein Teil hat, zumindestens zeitweise, nur milde Symptome und kann mit einfachen Dingen, wie Gegenmanövern (Muskeln anspannen, in die Hocke gehen, viel Salzen) mit Erfolg entgegen steuern. Diese Tricks helfen einem weiteren Teil nicht in ausreichendem Maß, sie können nur kurzzeitig ohne Symptome, wie Schwindel und Benommenheit, stehen. Es müssen dann noch weitere Maßnahmen ergriffen und auch Medikamente verschrieben werden. Leider kann der Übergang von der „milder“ zu „schwerer“ betroffenen Gruppe sehr schnell gehen.

Meist kommen dann noch eine Reihe weiterer Beschwerden, auch anderer Organsysteme dazu, z.B.: Übelkeit, schnelles Völlegefühl, schnelles Erbrechen, Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerz, Migräne),  Sehprobleme, Krampfen bei und nach der Synkope, Enge im Brustkorb, Coathanger-Pain (evtl. durch verminderte Durchblutung der Nackenmuskeln), schmerzende Beine (Blut versackt in den Beinen)…..

Die Schwere der Beeinträchtigungen kann wechseln, manchmal gibt es auch (fast) symptomlose Zeiten. Bei manchen sind sie vor allem nach dem Aufstehen, am Vormittag ausgeprägt, doch gibt es auch Betroffene, denen es morgens relativ gut geht, erst im Laufe des Nachmittags verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand. Insgesamt verstärken Schmerzen und Stress, sei es aus der Umgebung (z.B. Hitze, großer Lärm), innerlicher (z.B. Dehydrierung) , psychischer Stress, die Symptome.

Sympatischer neurozirkulatorischer Ausfall

In dieser Form der OI ist das Autonome Nervensystem nicht mehr in der Lage das Herz und die Blutgefäße korrekt zu steuern.  Patienten haben dauerhaft einen Abfall des Blutdruckes beim Stehen. Beispiele für diese Erkrankung sind Parkinson mit neurogener orthostatischen Hypotension (PD-OH), Pure Autonom Failure (PAF) und Autoimmuner autonomer Gangliopathie (AAG) (siehe auch POTS und Dysautonomien). Die häufigste Die Ursache des zirkulatorischen Ausfalls ist meist neurodegenerativer Art. Die Behandlung sucht diesen Prozess zu verlangsamen und die Ausprägung der Symptome zu vermindern. Manchmal, besonders wenn die betroffene Person noch jung ist, können dann bei exakter Diagnose und richtiger Behandlung, die beschädigten Nerven mit der Zeit wieder heilen.

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Sympatischer Neurozirkulärer Ausfall, nach D. S. Goldstein, L. J. Smith,

Link:   Handbuch

 

Überblick zu Orthostatischen Intoleranzen

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Überblick zu Orthostatischen Intoleranzen bei Dysautonomien, nach K. Freeman, D. S. Goldstein, Ch. R. Thompson, “The Dysautonomia Project” 2015

Die Neurokardiogene Synkope

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Vergleichende Zusammenstellung verschiedener Mechanismen bei POTS nach Abbildungen von Dr. David S. Goldstein, MD, PhD and Linda J. Smith (NDRF Handbook for Patients with Dysautonomias.Link zum Handbuch

Bei der Neurokardiogenen Synkope besteht ein abnormes Muster. Vor der akuten Episode ist der Spiegel des Adrenalins zwar hoch, doch der sympatische Zweig des Autonomen Nervensystems reagiert nicht im ausreichenden Maße. Nicht immer kommt es zum Kollaps, oft befinden sich die Betroffenen im ähnlich unangenehmen Zustand der Präsynkope.