Was ist ein Liquorleck, ein Liquorunterdruck-Syndrom?

Symptome

Die Symptome eines Liquorlecks oder, mit medizinischer Bezeichnung, eines Liquorunterdruck-Syndroms, sind manchmal sehr leicht mit POTS zu verwechseln.Nach einer Liquorpunktion

Bei einem Leck nach einer Liquorpunktion sind die auftretenden Symptome ziemlich leicht einzuordnen:

1. Auftreten bzw. Verschlechterung des Kopfschmerzes innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufrichten und assoziiert mit wenigstens einem der folgenden Symptome:

steifer Nacken

Tinnitus (Ohrgeräusch)

Veränderung des Hörens

Lichtempfindlichkeit

Übelkeit

2. Der Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 5 Tagen nach der Liquorpunktion.

4. Der Kopfschmerz remittiert entweder spontan oder innerhalb von 48 Stunden nach effektiver Therapie (z. B. epiduraler Blutpatch).

Spontanes Liquorleck

Bei einem spontanen Liquorleck sind die Kopfschmerzen und die Begleitsymptome viel variabler. Die meisten spontanen Liquorlecks sind vor allem in der thorakalen Wirbelsäule lokalisiert. Meistens besteht auch ein Kopfschmerz in aufrechter Haltung, doch gelegentlich gehen Schmerzen zwischen den Schulterblättern und am unteren Hinterkopf dem eigentlichen Kopfschmerz um Tage bis Wochen voraus. Der Kopfschmerz muss auch nicht lageabhängig sein, manche Patienten haben nur einen chronischen dumpf-drückenden Kopfschmerz und andere Kopfschmerzen, die bei körperlicher Belastung zunehmen. In anderen Fällen wachen die Betroffenen am Morgen ohne Beschwerden auf und erst im Laufe des Tages nehmen die Kopfschmerzen zu. Um die ganze Sache noch schwieriger zu machen, kommt es zu paradoxen orthostatischen Kopfschmerzen. Diese sind im Liegen vorhanden und bessern sich beim Stehen und Gehen. Die Menge an Begleitsymptomen umfasst:

steifer Nacken

Tinnitus (Ohrgeräusch)

Veränderung des Hörens,

Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit,

Übelkeit

Herzrasen

Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit

Doppelbilder, unscharfes Sehen

das Gefühl von Ameisenlaufen, Nadelstichen oder Taubheit in Teilen des Gesichts, der Arme und der Beine

andauernder metallischer Geschmack, Riechen von Gerüchen, die ansonsten niemand riechen kann

Fehldiagnosen

Fehldiagnosen sind daher nicht selten, am häufigsten muss wahrscheinlich die chronische Migräne genannt werden, aber eben auch POTS und ME/CFS, Fibromyalgie, Chiarifehlbildung und Tarlov Zysten. Es ist noch nicht bekannt, wie groß der Anteil von Liquorlecks ursächlich bei diesen Erkrankungen ist. Bisher gibt es noch keine Beobachtung beim Kipptischtest oder Schellong, die bei einem POTS bei der Differentialdiagnostik zum Liquorleck helfen könnte. Deshalb muss in der Anamnese auf Hinweise geachtet werden:

Die Anamnese ist besonders wichtig!

Wann sollte unbedingt an ein spontanes Liquorverlust-Syndrom gedacht werden?

Ehlers-Danlos-Syndrom, Marfan-Syndrom

Unfall mit Verletzungen der Wirbelsäule

Whiplash Syndrom

Knochensporne (Osteophyten), Bandscheibenprobleme, Skoliose, Diffuse Arthritis

Aneurysmen

Früh auftretender Grauer Star (ab 40 Jahren)

Wenn man sehr groß oder sehr klein ist

Untersuchungen

Zum weiteren Ausschluss wird dann auf bildgebende Methoden zurück gegriffen. Aber die spontanen, wie auch die durch einen Eigriff entstandenen Duradefekte, wie z. B. Wurzeltaschenrupturen können in den wenigsten Fällen trotz umfangreicher bildgebender Diagnostik nachgewiesen werden. Besonders schwierig ist dies bei einer anlagebedingten, wie z. B. bei Marfan-Syndroms oder bei einem Ehlers-Danlos-Syndrom, Strukturschwäche des Durasacks,.

Viele Ärzte gehen davon aus, dass ein MRT den angenommen niedrigen Druck bei einem Liquorleck sichtbar macht. Doch dies ist leider nicht so. Bei vielen Patienten, bei denen die probatorische Behandlung geholfen hatte, waren die MRTs völlig unauffällig. Wahrscheinlich sind CT Myelogramme die bessere Methode zum Auffinden der Lecks und auch diese sind nicht perfekt. Verbessern kann man deren Genauigkeit durch Gabe von zusätzlicher IV Lösung zum Kontrastmittel.

Bei der Hälfte der Leute mit Liquorlecks kann erhöhtes Protein im Liquor festgestellt werden, manchmal auch erhöhtes Prolaktin. Die Annahme, dass immer ein erhöhter Druck vorliegen müsse, der dann durch Druck auf die Hirnanhangsdrüse zu diesem erhöhten Prolaktin führt, hat sich nicht bestätigt. Ein Druck im Bereich von 65-195 mm/H20 bedeutet keinen Ausschluss eines Liquorlecks.

Was kann man tun?

Zum Glück ist ein Liquorleck meist gut behandelbar. Lecks nach einer Liquorpunktion verschließen sich in den meisten Fällen von selbst. Um dies zu unterstützen muss die betroffene Personen für ein paar Tage (mind. 3) liegen bleiben. Bei spontanen Lecks hat dies weniger Erfolg. Der nächste Schritt ist ein sogenannter Bloodpatch – eine kleine Menge Eigenblut wird neben die angenommene geschädigte Stelle gespritzt – zunächst ungezielt (30% Erfolgsrate), bei mangelndem Ergebnis dann gezielt (durch weitere bildgebende Verfahren). Und erst danach wird an die Einbringung von Fibrin oder an eine operative Schließung gedacht. Dabei ist zu bedenken, dass 30-40% der von spontanen Liquorleaks Betroffenen mehrere Lecks haben und diese häufig an schwierig zu schließenden Stellen liegen. Daher sind auch häufig mehrere Bloodpatches notwendig, bevor es zur Besserung der Symptome kommt (75% Erfolgsrate).