Dr. David C. Kem (Link 1) forscht schon seit langem zu Kreislauferkrankungen und Autoantikörpern. Sein Interesse galt früher neben anderem dem Blutdruck und Autoimmunität, in den letzten Jahren hat er es auf POTS ausgeweitet. Wichtige Ergebnisse seiner Forschung beziehen sich auf die Autoantikörper der Alpha und Beta adrenergen Rezeptoren sowie die der Angiotensin II Typ 1 Rezeptoren (Link 2), (Link 3). Inzwischen kann es aufgrund Ergebnisse vieler Forscher, wie Fedorowski, Kem, Vernino, Wallukat sowie testender Kliniker als gesichert gelten, dass POTS sehr häufig die Folge von Autoimmunprozessen ist. Doch Dr. Kem hat auf der diesjährigen Konferenz von Dysautonomia International alle Zuhörenden mit der Ankündigung eines neuen Medikaments für POTS überrascht.

Der Köder

Dieses Medikament gibt es schon. Es wurde auch schon von Dr. Kem begonnen es im Mausmodell zu testen und konnte dort Tachykardien bei Mäusen verhindern. Bei Menschen und Mäusen stimmen die betroffenen Rezeptoren überein. Es handelt sich bei diesem Medikament um ein „Decoy Peptide“, wortwörtlich ins Deutsche übersetzt, bedeutet dies „Köder-Eiweiß“. Decoy Peptide weißen Strukturen auf, die Andockstellen der Rezeptoren entsprechen. Autoantikörper, die ansonsten an diese Andockstellen der Rezeptoren (= Rezeptorepitome) binden würden, werden durch Decoy Peptide gebunden, quasi geködert, und damit ausgeschaltet. Sie können nicht mehr an den Rezeptoren wirksam werden. Decoy Peptide machen somit Autoantikörper unschädlich, indem sie sie wegfangen, die Rezeptoren bleiben unbehelligt.

Dieser Ansatz, Autoimmunerkrankungen nicht mehr durch allgemeines Dämpfen des Immunsystems – mit zunehmender Infektanfälligkeit und verlängerter Infektionsdauer als Nebenwirkung – oder Beseitigung aller B-Zellen oder Gabe von Immunglobulinen zu behandeln, klingt viel eleganter. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn dieses Decoy Peptide wirksam wäre, ohne die gravierende Nebenwirkungen anderer Immunmodulationen. Ein Vorläufer dieses Gedankens ist der Einsatz von spezifischen Eiweißen als Autoantikörperräuber im Rahmen externer Immunoadsorption bei Kardiopathie durch Beta1 Autoantikörpern (Link 4). Dieser Ansatz wurde weiterentwickelt zur Impfung gegen diese Autoimmune Kardiopathie (Link 5) und von Dr. Kem für die Behandlung von Bluthochdruck verursacht durch Angiotensin II Typ 1 Rezeptorautoantikörper (Link 6).

Leider kann im Moment der nächste Schritt in der Entwicklung eines Medikaments nicht erfolgen, denn es gibt Probleme mit dem Patentschutz. Dr. Kem kann dieses Decoy Peptide im Moment nicht patentieren lassen und somit auch kein Geld für die weitere Forschung von Investoren einwerben. Es wird aber angenommen, dass im es Laufe eines Jahres doch noch zur Patentierung kommen kann und Dr. Kem mit der Testung an Mäusen weitermachen kann. Falls alles ohne weitere Probleme läuft und das Medikament hält, was es verspricht, könnte es frühestens in fünf Jahren in den USA den entsprechenden POTS Patienten zur Verfügung stehen. Angesichts der Tatsache, wie wenig Zeit seit der ersten Entdeckung von inzwischen 6 Autoantikörpern bei POTS vergangen ist, ist das gar nicht so schlecht.

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