Neue Ergebnisse bei der POTS Autoantikörper – Forschung

In den letzten Wochen sind neuere Arbeiten zu Autoantikörper und POTS veröffentlicht worden. Drei davon möchte ich hier vorstellen:

1.) Autoantikörper für Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptoren bei POTS Patienten neu entdeckt und Bestätigung der Antikörper für Alpha-1-Adrenozeptoren

Bei POTS Patienten wurden neue Autoantikörper gefunden. Und zwar AAKs für Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptoren. In einer kooperativen Studie zwischen Universität von Oklahoma, Universität von Calgary, Vanderbilt Universität, Universität Lund und Skane University Hospital wurde bei 17 Patienten nach diesen Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor-Antikörpern oder nach Alpha-1-Adrenozeptor-Antikörpern gesucht. Bei allen untersuchten wurden der eine oder andere dieser AAKs gefunden, bei den gesunden Kontrollpersonen konnten die Forscher diese nicht nachweisen. (http://jaha.ahajournals.org/content/7/8/e008351)

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass POTS-Patienten nicht auf Angiotensin II, ein Neurohormon, das an der Regulation des Blutvolumens und des Blutdrucks beteiligt ist, ansprechen. Die in der neuen Studie beschriebenen Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor-Antikörper hemmen die Funktion des Rezeptors, was erklären könnte, warum POTS-Patienten nicht auf Angiotensin II ansprechen und erklären könnten, warum Salz für die meisten POTS-Patienten hilfreich ist.

Natürlich reicht solch eine kleine Studie nicht aus, sie muss in größerem Maßstab validiert werden. Die Erwartung ist, dass bei Bestätigung für neue Behandlungsansätze auf der Grundlage der Immuntherapie entwickelt werden könnten.

2.) Antiganglion-Acetylcholin-Rezeptor-Antikörper

In einer neuen Studie aus Japan fanden die Forscher deutlich höhere Mengen der Arzt ntiganglion-Acetylcholin-Rezeptor(gAChR)-Antikörper bei POTS Patienten. Dies unterstützt das wachsende Verständnis des POTS als mögliche Autoimmunerkrankung.

(Online veröffentlicht am 28. Februar, in Annals of Clinical and Translational Neurology, Link: https://journals.lww.com/neurotodayonline/Fulltext/2018/04050/In_the_Pipeline_Postural_Orthostatic_Tachycardia.3.aspx)

Die Forscher an der Kumamoto Universität in Japan analysierten die Seren von 34 POTS Patienten, die im Median 22 Jahre alt waren. Sie fanden Autoantikörper gegen gAChR in 10 (29 %) von ihnen – acht mit gAChR-alpha3-Antikörpern und zwei mit gAChR-beta4-Antikörpern. Bei keinen der 73 gesunden Kontrollpersonen wurden diese Autoantikörper gefunden und nur bei einem von 19 Kontrollpersonen mit neural vermittelter Synkope. Bei diesem einen vermutete man eigentlich eine Neuropathie durch Amyloidose.Die seropositiven POTS-Patienten waren im Durchschnitt 29 Jahre alt, verglichen mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren für diejenigen, die negativ waren. Sechzig Prozent der Patienten, die seropositiv waren, hatten Komplikationen durch Autoimmunerkrankungen im Vergleich zu 8 Prozent in der seronegativen Gruppe.

Die Antikörperspiegel der Mehrzahl der seropositiven Patienten wiesen keine hohen Werte auf. Es kann aber sein, dass die erhöhte Expression von Antikörpern gegen gAChR-Untereinheiten zu sekundären Autoimmunreaktionen auf antiganglionäre Neuronenschäden bei seropositiven Patienten führen. Anti-gAChR-Antikörper können die Reizübertragung an den autonomen Gangliensynapsen beeinträchtigen, diese Störung kann bei Patienten mit POTS zur Dysautonomie beitragen.“

Bei einigen der auf gAChR Antikörper seronegativen POTS Patienten (61%) könnten laut Dr. Nakane, andere Antikörper – adrenerge Rezeptoren, muskarinische AChR oder … – eine Rolle spielen könnten.

Dies ist laut Prof. Dr. Nakane ein weiterer Beweis für eine Autoimmunerkrankung als Basis für POTS . Laut seiner Aussage sind inzwischen POTS Patienten erfolgreich mit Immuntherapie behandelt worden. Jetzt plant er mit anderen eine größere landesweite Studie in Japan. In dieser geplanten Studie, soll nach den gAChR Antikörpern gesucht und die jeweiligen Behandlungsergebnisse für die verschiedene Unterkategorien des POTS – neuropathisch, hyperadrenerg, Volumen-Dysregulation und physische Dekonditionierung dokumentiert werden.

An der Mayo Clinic waren im Jahr 2007 152 Patienten auf gAChR-Antikörper getestet worden. Jeder siebte Patient war positiv. Spätere Studien haben erhöhte Spiegel von Autoantikörpern gegen adrenerge Rezeptoren und muskarinische Rezeptoren gefunden. Im Jahr 2015 ergab eine Studie mit 100 konsekutiven POTS Patienten, dass 25 Prozent positiv auf antinukleäre Antikörper getestet wurden und 31 Prozent hatten Marker auf Autoimmunität, die Rate war für beide signifikant höher als in der Allgemeinbevölkerung.

DR. Blitshteyn zur gAChR Antikörper Kontroverse

Svetlana Blitshteyn, MD, Direktor der Dysautonomia Clinic und Clinic Assistant Professor for Neurology an der University of Buffalo School of Medicine and Biomedical Sciences, erklärt, dass die gAChR Antikörper in POTS Patienten kontrovers diskutiert werden. Einige Forscher stellen ihre Bedeutung bei POTS in Frage. Doch ihrer Meinung nach helfen die aktuellen Forschungsergebnisse dabei, die gAChR-Antikörper wieder in den Vordergrund zu rücken: „Im vergangenen Jahrzehnt gab es ein großes Forschungsinteresse hinsichtlich POTS und Autoimmunität, da in einem Teil der POTS Patienten Evidenz für Autoimmunität gefunden wird. Die japanische Studie bekräftigt dieses Konzept. Es ist gut, dass gAChR Antikörper nicht unbeachtet bleiben sondern wieder näher in den Fokus genommen werden.“

Dr. Blitshteyn sagte, der gAChR-Antikörpers ist ein „guter Ziel-Antikörper“, auch weil von ihm bekannt ist, dass er eine Rolle bei Autoimmuner autonomer Ganglionopathie (AAG) spielt. Bei dieser werden gAChR-in größerer Anzahl gefunden.

„AAG ist zwar nicht POTS, jedoch gibt es bestimmte wichtige Merkmale, die parallel gehen, z.B. orthostatische Intoleranz, Dysregulation des Blutdrucks, Steuerung der Herzfrequenz, des Verdauungssystems und des Schwitzens. Also, obwohl AAG nicht gleich POTS ist, könnten gAChR-Antikörper eine Rolle bei POTS spielen.“

Dr. Blitshteyn wies darauf hin, dass die Antikörper in dieser Studie häufiger gefunden wurden als in früheren Studien, dies wahrscheinlich deshalb, weil ein anderer Test – das Luziferaseimmunpräzipitation System oder LIPS – verwendet wurde. In den Vereinigten Staaten wird üblicherweise ein Radioimmunoassay verwendet, dieses testet im Unterschied zu LIPS nicht auf die beta4 Untereinheit.

Dr. Blitschteyn wies weiterhin daraufhin, dass ein besseres Verständnis der Ätiologie von POTS zu einer besseren Behandlung führen könnte, denn eine solche wird dringend benötigt. Die derzeitige Behandlung ist hauptsächlich nicht-pharmakologisch, basiert auf vermehrte Flüssigkeit- und Salzaufnahme, verbunden mit einemTrainingsprogramm. Die pharmakologische Therapie ist bisher Off-label und nutzt Vasokonstriktoren und Betablocker. Doch diese sind nicht sehr effektiv, und die pharmakologischen Optionen bringen Nebenwirkungen mit sich.

„Die Behandlungsmöglichkeiten für POTS waren immer suboptimal, in unserer Klinik nutzen wir parallel den nicht-pharmakologische und den pharmakologischen Ansatz,“ betont Dr. Blitschteyn. „Bei manchen Patienten hilft dies, sie fühlen sich besser und sie können ihren funktionellen Status verbessern. Aber meiner Erfahrung nach, sind die bestehenden Therapien für die Mehrheit der Patienten nicht effektiv genug, um zu einer signifikanten und bedeutungsvollen Verbesserung oder Genesung zu führen. „

Die Ausführungen der japanischen Forschern und von Dr. Blitshteyn zur Forderung nach weiterer Forschung und Suche nach Therapien finde ich sehr wertvoll. POTS ist ein Spektrum und mögen auch einige durch symptomatische pharmakologische Therapie und Anpassung des Lebensstiles ausreichend Verbesserung erfahren, so gilt dies bei weitem nicht für alle. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der Patienten bleibt stark eingeschränkt, nicht nur in der Freizeit, sondern auch in Schule, Ausbildung und Arbeit. Dies bedeutet einen nicht unerheblichen Verlust an finanziellen Mitteln, große Belastung für Familien oder es wird gar nicht gewagt eine eigene Familie zu gründen.

3.) Antikörper des Paraneoplastischen Syndroms und POTS/OI

Dr. Brent Goodman stellt bei dem Treffen der American Academy of Neurology vom April 21-27, 2018 neue Ergebnisse zu Erforschung von Autoantikörper bei POTS- und OI vor (Link ). Sein Team untersuchte die Aufzeichnungen von 286 Patienten, bei denen autonome Tests durchgeführt worden waren, und ein „Mayo Labs paraneoplastic panel“ – eine von der Mayo Klinik empfohlene Auswahl an Blutuntersuchungen bei Verdacht auf ein Paraneoplastisches Syndrom. Bei diesem Syndrom gibt es auch Antikörper-vermittelte Paraneoplasien. Es handelt sich dabei nicht um die für POTS bisher bekannten und typischen Autoantikörper. Die Antikörper in diesem Panel werden allgemein als seltene Antikörper angesehen.Dreizehn (4%) Patienten hatten einen erhöhten paraneoplastischen Panelmarker: zwei (0,6%) hatten einen erhöhten neuronalen Calciumkanal-Antikörper (AAK), ein (0,3%) einen erhöhten P/Q-Calciumkanal AAK, vier (1%) hatten erhöhte Werte des g-AChR AAK, vier (1%) hatten Skelettmuskel AAK und zwei (0,6%) hatten erhöhte AAK gegen Komplexe spannungsabhängiger Kaliumkanäle (»voltage-gated potassium channel complex«, VGKC-Komplex).Die Forscher folgerten, dass zwar erhöhte paraneoplastische Marker in der OI/POTS-Kohortenstudie nicht häufig vorkamen, jedoch weist ein erhöhter paraneoplastischer Marker in Abwesenheit von Krebs und bei Bestehen einer bekannten schwächenden neurologischen Erkrankung wie POTS, auf eine mögliche Immunstörung hinwir brauchen Forschung – wir brauchen bessere Therapien

Sollten sich nun die Patienten auf alle möglichen Autoantikörper testen lassen? Eher nicht! Sondern es empfiehlt sich die Beschränkung auf die bisherigen, durch mehrere Studien bestätigten POTS AAKs wie alpha1, beta1 und 2, m2 und den schon altbekannten  gAChR. Falls es irgendwelche Hinweise auf andere Autoimmunerkrankungen gibt, dann natürlich auch nach den entsprechenden Autoantikörpern suchen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.