Diese Frage wird von Ärzten, die sich damit auskennen mit einem eindeutigen JA beantwortet. Den besten Überblick gab dazu Dr. Roger Cordery von Barts Heart Centre in einem Vortrag (Link) bei der London Masterclass vom September 2017.  Die folgenden Informationen habe ich aus seinem Vortrag zusammen gestellt.

POTS kommt meist mit Ko-Erkrankungen, über die der Anästhesist oder der Operateur informiert sein sollte:

  • ME/CFS (Chronisches Fatigue Syndrom, nicht zu verwechseln mit Fatigue oder Müdigkeit anderer Genese)
  • Ehlers–Danlos-Syndrom (v.a. das nur selten in Deutschland diagnostizierte hypermobile EDS)
  • Mitralklappenprolaps
  • IBS (Reizdarm)

außerdem oft verbunden mit

  • SFN (periphere autonome Denervation -> evtl. autonome Funktionsstörungen)
  • Hypovolämie (Volumenerhöhung und -substitution besonders wichtig)
  • Dekonditionierung
  • Hypervigilanz und Angststörungen (v.a. wichtig bei der Schmerzbehandlung nach der OP)

 

  • Hyperadrenerges POTS (meistens werden Patienten während der Anästhesie nicht hypotensiv)

Was macht die Anäthesie außer, dass die Leute nichts von der OP mitbekommen?

  • Verstärkung der autonomen Fehlsteuerungen
  • Signifikante Vasodilation
  • Bei regionaler Betäubung (zB Epidural) sogar noch stärker
  • Überdruckbeatmung (ähnlich Valsalva mit Verstärkung der Hypotensoin)

Was geschieht durch die OP?

  • Blutverlust -> trägt zur Hypovolämie bei
  • Pneuroperitoneum bei Lapraskopien im Bauchraum macht wahrscheinlich bei POTS Patienten eher Schwierigkeiten (Kurzzeitig nach der OP) als in der Normalbevölkerung.
  • Positionierung der Patienten bei der Operation -> Blut versackt in tiefer liegende Körperteile
  • Positionierung des Kopfes bei der Operation -> kann v.a. bei Patienten mit hEDS zu Problemen an der halswirbelsäule führen (meine Einfügung, nicht im Vortrag enthalten)

Medikamente bei POTS – beeinflussen sie die OP, die Anästhesie?

  • Gutron (Midodrin, eine Prodrug, der Metabolit entspricht Noradrenalin, kann zu Hypertension in liegender Position führen)
  • Astonin H oder Betablocker wie Propanolol machen keine unüblichen Probleme bei der OP
  • Mestinon (üblich bei Myastenia Gravis) macht es schwieriger für Muskelrelanzien zu wirken
  • Clonidin und Methyldopa können zu etwas höheren Blutdruck führen

Was soll man vor der OP tun?

  • Patienten nach POTS fragen
  • Trigger erfragen
  • Medikamente erfragen
  • Ko-Erkrankungen erfragen

Was soll man in der OP tun?

  • Verstärktes Monitoring
  • Blutverlust minimieren, ausreichend Hydrieren
  • bei hyperadrenergem POTS Verzicht auf Ketamin

Was soll man nach der OP tun?

  • Ein niedriger Blutdruck  tritt nach der OP häufiger als üblich auf. (nur wenige Studien) -> Sturzneigung steigt -> Überwachen -> frühe Mobilisation kann Schwierigkeiten machen, muss evtl. später erfolgen als üblich -> evtl. erhöhte Thrombosegefahr -> Atemprobleme durch Liegen im Bett mit angewinkeltem erhöhtem Oberkörper (wahrscheinlich nur hypothetisch)
  • Schmerztherapie besonders beachten, bei Patienten mit EDS wirkt manchmal die örtliche Betäubung nicht
  • Medikamentöse Therapie des POTS wie vor der OP beibehalten
  • Medikamente, die zu einer Tachykardie führen könnten, vermeiden (zB Cyclizin)
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