IMG_2482Wurde mit einer Hautbiopsie eine Small Fiber (Poly) Neuropathie diagnostiziert, stellen sich nun die Fragen, was ist die Ursache für die Neuropathie , was hat die Nerven zerstört, werden sie weiter zerstört? Wie kann man diesen Prozess beenden, kann man ihn beenden? Dazu müssen nun weiterführende Untersuchungen erfolgen. Vielleicht findet sich sogar schon  ein Hinweis oder die Lösung dazu in den vorher erfolgten Blutuntersuchungen! Das besonders positive daran ist, dass diese gefundenen Ursachen i.d.R. behandelbar sind. Der Prozess der Nervenzerstörung ist aufhaltbar, oft können sich die Nerven wieder regenerieren und verlorene Funktionen kommen zurück. Deshalb kann man die Frage, „lohnt sich diese Suche überhaupt?“ mit einem überzeugten, lauten „Ja“ beantworten.

Von im Bereich zu SFNs führenden Forschern wurde für Patienten und Ärzte eine lesenswerte Webpage neuropathycommons erstellt. In dieser bin ich auf der Suche nach sinnvollen Tests zur Ursachenforschung fündig geworden. Um dies auch im englischen nicht so firmen Lesern zugänglich zu machen, habe ich die informative, von Dr. Onyema Nnanna erstellte Seite zu weiterführenden Untersuchungen, ins Deutsche übertragen.

Untersuchungen

Das Massachusetts General Hospital empfiehlt häufig eine spezielle Liste an Untersuchungen des Blutes für Patienten mit Small Fiber Polyneuropathie (SFPN)  Die Liste enthält:

Gesamtanzahl an Blutzellen:

Abnormale Ergebnisse könnten durch Erkrankungen wie Vitamin B12 Mangel oder Blutkrebs entstehen.

Umfassendes metabolisches Panel

Diabetes: Hohe Blutzuckerwerte oder erhöhte Zuckerlevel im Urin sind ein Hinweis auf Diabetes or Prediabetes. Diabetes ist die häufigste Ursache für Neuropathien auch für die Small-Fiber Variante in entwickelten Ländern. Deshalb muss immer ein Diabetes ausgeschlossen werden. Bei Prediabetes zeigen sich Symptome wie großer Durst, häufiges Urinieren, Gewichtszu- oder abnahme.
Wichtig sind auch die Nierenwerte, denn schlechte Nierenfunktion kann zu Neuropathien führen oder die Therapie beeinträchtigen.
Die Schilddrüsenwerte  geben Auskunft über die Menge der von der Schilddrüse gebildeten Hormone. Zu hohe und zu niedrige Werte sind mit peripherer Neuropathie assoziiert. Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind Kälteintoleranz, Gewichtszunahme, Verstopfung, trockene Haut und Haarausfall, Depression, Schwäche, genauso wie Neuropathien. Symptome einer Überfunktion der Schilddrüse umfassen Gewichtsverlust, Ängstlichkeit, schlechter Schlaf und ebenfalls Neuropathie.

IMG_2481Vitamine:

Niedrige Level von Vitamin B12 (Mangel) können eine Neuropathie verursachen, aber ebenso Schwäche oder zu Symptomen führen, welche auf psychische Störungen oder Beeinträchtigung des Rückenmarks hinweisen. Zur genauen Bestimmung eines Mangels ist bei Werten unter 500pg/dl unbedingt die Methylmalonsäure mitgetestet werden.
Weiterhin kann zu viel an Vitamin B6 eine Neuropathie verursachen. Thiaminmangel (Vitamin B1) kann zu motorischer Neuropathie (Schwäche) führen. Die Vitaminmangelzustände können in der Regel korrigiert werden. Danach kann sich die Neuropathie zurückbilden oder zumindestens eine weitere Verschlechterung verhindert werden.

Mineralien and Metalle:

Diese Test sind entweder Blut- oder Urintests. Hohe Level an Blei, Quecksilber, Thallium, Zink, and Arsen und niedrige Kupferwerte wurden alle mit peripherer Neuropathie assoziiert. Neben typischen neuropathischen Symptomen kommt es bei Patienten immer auch zu anderen Problemen, wie z.B. an Haarausfall bei zu viel Thallium. Eine Ausleitung der toxischen Metalle verbessert die Neuropathie, zumindest stoppt sie eine Verschlechterung.

Erkrankungen des Immunsystems (Enzündungen und Autoimmunität):

Diese Erkrankungen sind unter Frauen häufiger vertreten, besonders zwischen der Pubertät und der Menopause. Autoimmunerkrankungen treten oft gemeinsam auf und betreffen mehrere Organe, wie Haut,Gehirn, Nieren, und Augen. Sie sind also sogenannte Multisystemerkrankungen. Behandelt wird mit immunmodulatorischen Therapien. Falls die Neuropathie durch eine Erkrankung des Immunsystems verursacht wurde, so kann sie sich durch die Therapie verbessern.
Mit der Senkungsgeschwindigkeit der Erythrozyten kann die „Klebrigkeit“ der roten Blutkörperchen gemessen werden. Ein hoher Wert kann unter anderem ein Hinweis auf Entzündungen und Autoimmunerkrankungen sein.
Antinukleare Antikörper, ANAs, zeigen auf Systemischen Lupus Erythematosus (SLE). Symptome dafür sind eine schmetterlingsartige Rötung des Gesichts, erhöhte Temperatur, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Gelenk- und Muskelschmerzen, Überempfindlichkeit bei Sonnenschein und auch Neuropathie. Die ANAs könnten jedoch ebenfalls aufgrund eines Sjögrens Syndrom oder Rheumatischer Arthritis erhöht sein, hier muss also noch weiter differenziert werden.
Anti-Ro (SS-A) und Anti-La (SS-B) sind spezifische Antikörper beim Sjögrens Syndrom. Typischerweise führt dies zu trockenem Mund und trockenen Augen, aber auch zu verschiedenen Typen von Neuropathien. Das Sjögrens Syndrom lässt sich nicht immer durch bisher bekannten Autoantikörper nachweisen. Es gibt auch seronegatives Sjögrens. Die Diagnose kann aber auch durch Augenuntersuchung und Biopsie der Augen- oder Speicheldrüsen der Unterlippe diagnostiziert werden.
IgA Anti-Tissue Transglutaminase Antikörper (IgA-TTG): Werden diese IMG_2484Antikörper gefunden, so ist dies ein Nachweis für Zoeliakie (Sprue). Hat man diese Autoimmunerkrankung, so kann man sein ganzes Leben lang kein Gluten (Getreideeiweis) tolerieren. Übliche Symptome sind Diarrhea, Gewichtsverlust, Anämie, und viele andere Symptome von Vitamin-, Mineral- und Nährstoffmängeln, unter anderem auch Neuropathien. Bei der Zoeliakie zerstört eine Entzündung die Auskleidung des Darms. Dies führt zu Malabsorption und häufig auch zu Verdaungsbeschwerden. Zum Glück lässt eine glutenfreie Diät den Darm wieder ausheilen und bringt eine Verbesserung der Symptomatik.
C-reaktive Proteine: Hohe Werte weisen auf eine Infektion oder Entzündung hin.

Tests auf Infektionen

HIV Test: Eine HIV Infektion ist eine häufige Ursache für eine Neuroathie, deshalb sollte dann immer auch auf HIV getestet werden. Bei HIV ist es besonders wichtig früh zu therapieren, denn so können langfristig Symptome verbessert und Schäden vermieden werden. Leider verursachen einige antivirale Medikamente Neutropathien.
Test auf Antikörper von zeckenübertragene Erkrankungen: Gerade Borreliose-Bakterien werden in Deutschland häufig von Zecken übertragen.  Frühe Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und eine ringförmige Rötung der Haut. Bleibt Borreliose unbehandelt so können die Bakterien auf Gelenke, Herz und das Nervensystem inklusive periphere Nerven übergreifen. Deshalb ist es wichtig, Borreliose früh zu diagnostizieren und zu behandeln. Normalerweise wird Borreliose klinisch diagnostiziert in fraglichen Fällen werden Autoantikörer dazu herangezogen.
Antikörper gegen Hepatitis C: Hepatitis C ist eine chronische Infektion der Leber. Sie wird durch Blut übertragen oder durch Sex. Diese Infektion ist assoziiert mit einer Neuropathie wie sie bei Kryoglobulinämie auftritt. Kryoglobuline sind Antikörper, die bei Kälte ihre Lösungsfähigkeit vollständig verlieren. Nur ab einer höheren Temperatur können sie sich wieder im Blut auflösen. Unter Kälteeinfluss entstehen Immunkomplexe, diese lagern sich in den kleinsten Gefäßen ab, was dann schlussendlich zu einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) führt. Haut und Nieren sind am häufigsten betroffen. Der erste Schritt der Diagnose ist die Suche nach den Hepatitis C Antikörpern. Wenn diese Antikörper gefunden wurden, dann wird die Hepatitis C Infektion mit einem Test auf Hepatitis C RNA bestätigt. Solch eine Kryoglobulinämie kann durch Autoimmunerkrankungen, aber unter anderem auch Leukämie, Multiples Myeloma erzeugt werden.

Tests auf Blut- und Knochenmarkskrebs und Krebsvorstufen

Eiweiß-Elektrophorese des Blutes oder des Urins: diese detaillierte Unersuchung von Eiweißen kann Krebszellen oder Zellen von Krebsvorstufen, die mit peripherer Neuropathie assoziiert sind, identifizieren.  Beispiele dafür sind Multiples Myeloma, Waldenström’s Makroglobulinemia und Monoklonale Gammopathie. Eine weiterer Test dafür ist die Messung der freien Leichtketten im Blutserum.

Weitere individuelle Tests

Oraler Glukose Toleranz Test: Dieser Test ist der Goldstandard für die Diagnose von Diabetes and Prediabetes.

Genetische (DNA) Sequenzierung: Gentests werden angewandt, wenn die Neuropathie mehrere Personen in einer Familie zu betreffen scheint. Stellt sich in der Anamnese heraus, dass evtl. mehrere Familienmitglieder von einer Neuropathie betroffen sein könnten, sollte eine gezielte genetische Testung erfolgen. Ein Beispiel könnte die Charcot-Marie-Tooth Erkrankung sein, welche einer der häufigsten erblichen neurologischen Störung darstellt. Bei der Charcot-Marie-Tooth Erkrankung findet aufgrund eines speziellen Eiweißmangel eine Degeneration der Nerven statt. Symptome dafür sind Muskelschwäche, mangelhafte Koordination beim Gehen, Kribbeln, Sensitivitätsstörungen, hohes Fußgewölbe und Hammerzehe. Leider gibt es keine Heilung, die Behandlung zielt bislang auf die Linderung der Symptome.
Bauchfett-Biopsie: dabei wird mit einer dünnen Nadel, unter lokaler Betäubung, eine kleine Menge Fett unter der Haut des Bauches entnommen. Dieses Fett wird im Anschluss nach einem abnormen Protein (Amyloid) durchsucht. Wenn dieses Protein vermehrt in den Nerven abgelagert wird, kann dies zu einer Neuropathie führen.

Podcast mit Dr. Oaklander zu SFN und zu Fibromyalgie

 Transcript des Podcasts

http://relief.news/wp-content/uploads/2016/09/Transcript-of-RELIEF-Podcast-with-Anne-Louise-Oaklander.pdf

Quellen:


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