POTS und Schlafqualität

Ein guter Schlaf ist wichtig. Ohne Schlaf kann ein Mensch nicht überleben. Es gelingt zwar für einige Tage dem Schlaf zu widerstehen, aber irgendwann schläft jeder ein und schon vor diesem unweigerlichen Einschlafen werden so einige „Systeme“ unweigerlich fehlerbehaftet. Der Schlaf ist u.a. notwendig, um das Funktionieren autonomer Abläufe im Körper zu optimieren:
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Immunsystem -> guter Schlaf -> gute angemessene Immunantwort
Hormonsystem -> guter Schlaf -> ausbalancierte Hormone (Leptin, Blutzucker)
Psychische und emotionale Gesundheit -> guter Schlaf -> Fröhlichkeit
Lernen und Gedächtnisleistung -> guter Schlaf -> Stabilisierung und Stärkung
Abtransport von Abfallstoffen aus dem Gehirn -> guter Schlaf -> kann stattfinden

Wie sieht guter Schlaf aus?

Schlaf wird in verschiedene Schlafphasen/Schlafstadien eingeteilt.
Schlafstadien
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Abfolge der Schlafstadien bei gutem Schlaf (bei älteren Menschen ist der Schlaf oft nicht mehr richtig gut)

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Schlechter Schlaf

Ein großer Teil der vom POTS Betroffenen berichten von schlechtem Schlaf. Viele haben große Problem beim Einschlafen und wachen sehr häufig während der Nacht wieder auf und fühlen sich am Morgen, trotz eigentlich ausreichender, im Bett verbrachter Zeit, nicht richtig ausgeschlafen. Die Müdigkeit belastet sie den ganzen Tag. Gerade für sie ist es wichtig die Regeln einer gesunden Schlafhygiene zu beachten, denn nur zu schnell geraten sie in einen Kreislauf von nachts Wachliegen (oder sich anderweitig die Zeit vertreibend) und tagsüber Nickerchen machen. (siehe Tipps zum besseren Schlafen) Doch leider sind mit der Befolgung der Regeln die Schlafprobleme meist nicht behoben, denn die Architektur des Schlafes ist bei POTS oft gestört. Das kann am Schlafprofil, das durch eine Polysomnographie erstellt wird, sichtbar gemacht werden.

Vergleich  tyischer Polysomnographie Ergebnisse bei einer schlafgesunden Person und einer Person mit POTS

Die Polysomnographie (PSG) ist eine sehr umfangreiche Untersuchungsmethode des Schlafes. Dabei werden Schlaftiefe, -verlauf und -qualität gemessen und zwar  mit Hilfe von Hirnaktivitätsmessung, Elektrokardiogramm, Messung der Herzfrequenz, Atmungsaktivitäten und -geräusche, Muskelspannung, Augenbewegung, Körperlage und -bewegung, Körpertemperatur sowie Sauerstoffsättigung des Blutes. Einfachere diagnostisches Maßnahmen, wie z.B. die  Polygraphie (PG = ausreichend zur Feststellung eines Restless Leg Syndrom oder die Karidiorespiratorische Polygraphie zur Feststellung einer Schlafapnoe), sind nicht geeignet, die für das POTS typische Muster eindeutig nachzuweisen.

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Bei den Schlafprofilen schlafgesunder Personen fällt auf, dass zu Beginn der Nacht schnell eine ausgeprägtes Tiefschlafstadium stattfindet. Im weiteren Verlauf kommt es zu weiteren Tiefschlafphasen, doch nimmt deren Länge ab. Bei vielen von POTS Betroffenen hingegen, dauert es viel länger, bis die erste Tiefschlafphase auftritt. Das Schlafprofil weist insgesamt nur kurze Tiefschlafphasen auf und diese werden zudem häufig unterbrochen. Insgesam verteilen sie sich über die gesamte Schlaflänge, eine Abnahme zum Morgen hin, ist kaum zu beobachten. Schlafapnoen oder das Restless Leg Syndrom treten bei POTS Patienten nicht häufiger auf, als im Rest der Bevölkerung. Hingegen treten auffällig sehr häufig Arousals auf, diese scheinen von von der Variabilität der Herzrate (sehr häufige Herzratensteigerungen) auszugehen. Die Unterdrückung der Arousels, die zum Entstehen der langsamen Deltawellen während des Tiefschlafs, notwendig wäre, gelingt nicht im ausreichenden Maße. Insgesamt weist alles auf eine schlechte Schlafqualität bei POTS hin.

imageDie Folgen eines schlechten Schlafes sind weitreichend:

Bei POTS kommt noch hinzu, dass das Autonome Nervensystem, bestehend aus dem Sympathikus und dem Parasympatikus, sich nicht mehr in der Balance befindet. Der Parasympathikus ist im Vergleich zum Sympathikus zu schwach. Für einen guten Schlaf ist jedoch ein Überwiegen des Parasympathikus notwendig.  Und das Autonome Nervensystem (und damit der Parasympathikus) braucht einen guten Schlaf zur Erholung, doch dieser gute Erholungsschlaf kommt nicht zustande (= Henne-Ei-Problem)

Daran wird deutlich wie wichtig es bei POTS ist, für einen guten Schlaf zu sorgen. Auf die Einhaltung einer Schlafhygiene ist zu achten, aber meist reicht es nicht aus und medizinische Hilfe wäre notwendig. Leider gibt es bisher noch keine studienmäßig erprobten Therapievorschläge dazu. Sinnvoll kann es jedoch sein den Circadianen Rythmus zu unterstützen (helles Licht am Morgen, das blaue Licht ausfilternde Brillen am Abend, Tryptophan, Gabapentin, Melatonin, Agomelatin, Dominal, Valdoxan, …Medikamente nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt!) um die Schlafqualität zu verbessern und eine Erholung und Stärkung des Parasympathikus zu ermöglichen. Und natürlich auch die Müdigkeit am Tag zu vermindern.

Quellen:
„What hath night to do with sleep when you have ME/CFS“ Suzanne Vernon, PhD
A Bateman Horne Education Meeting – October 7, 2015:     https://www.youtube.com/watch?v=icJWo2smjO8

„Sleep Disorders in POTS“ Xavier Preud’homme et al. April, 2015: http://de.slideshare.net/mobile/DukeHeartCenter/5-xavier-preudhomme-potspresentation4151

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