In den USA erhalten viele von POTS -Betroffene regelmäßig mehrfach die Woche eine Infusionstherapie zur Linderung ihrer Symptome. Leider gibt es bisher auch in den USA noch keine allgemeinen medizinischen Empfehlungen zur Gabe oder Dosierung von Infusionslösungen bei POTS, es muss für jeden Patienten die richtige Menge und Häufigkeit durch Versuch und Irrtum herausgefunden werden. Aber das Prinzip der Flüssigkeitstherapie durch Infusionen kann ich hier vorstellen. Angelehnt ist dieser Beitrag an die Webpage von Standing Up for POTS/Treatments/IV.

Eine Infusionstherapie ist bei Hypovolämie eine geeignete Maßnahme das Volumen des Blutes an die tatsächlichen Bedürfnisse des Körpers anzupassen und die Symptome zu lindern. Hypovolämie, das ist eine chronisch signifikant zu geringe Blutmenge, stellt bei vielen von POTS Betroffenen ein großes Problem dar. Eine Hypovolämie ist für die Ärzte nicht so einfach feststellbar, denn normalerweise wird das Verhältnis von Blutvolumen und rote Blutkörperchen als Maß genommen. Bei POTS können beide erniedrigt sein und daher das Verhältnis im Normalbereich liegen und trotzdem eine Hypovolämie vorliegen. Bei manchen Personen mit POTS fällt das Blutvolumen so stark ab, dass ein hypovolämer Schock auftreten kann.

Was sind die Symptome eines hypovolämen Schocks?

  • Ängstlichkeit
  • Blaue Lippen/blaue Fingernägel
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Verwirrung
  • Schwindelgefühl
  • Bewusstlosigkeit
  • Niedriger Blutdruck
  • Geringes oder gar kein Urinieren
  • Schweißausbruch
  • Flache Atmung
  • Tachykardie
  • Schwacher Puls

Erhöhung der Blutvolumens

Man kann das Blutvolumen auch auf natürliche Weise erhöhen. Und das sollte zuerst unbedingt versucht werden. Bei POTS wird empfohlen mehr Salz zu sich zu nehmen und mehr zu Trinken. Zusätzlich gibt es noch Medikamente, die dazu beitragen können, das Blutvolumen zu erhöhen, wie Florinef und Gutron.

Unter welchen Umständen könnte eine Infusion besser sein, als mehr zu trinken und mehr zu Salzen? Manche POTSies leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Und gerade letzteres ist kontraproduktiv. Andere haben zusätzlich zur Tachykardie noch eine beschleunigte Darmpassage, dann kann einfach nicht genügend Flüssigkeit aufgenommen werden. In den Fällen, in denen das Verhältnis von Blutvolumen und Blutkörperchen ausgewogen ist, kann der Körper auch meist nicht mehr Flüssigkeit absorbieren, egal wieviel getrunken wird.

Studien

Inzwischen gibt es eine Studie zu IVs bei POTS (Link) Patienten, in der untersucht wurde, ob es denn die von den Betroffenen benannten Vorteile gäbe. Untersucht wurden POTSies, bei denen alle anderen Therapien erfolglos geblieben waren. In der Tat wurde der positive Einfluss von IVs auf den gesundheitlichen Zustand der POTSies bestätigt. Der befürchtete Effekt einer langfristigen Abhängigkeit hatte sich jedoch nicht gezeigt. Im Gegenteil, mit der Zeit wurde eine Abnahme der Infusionen registriert, viele konnten mit der Zeit ganz darauf verzichten. Von den Forschern wird daher eine Anwendung der IV´s, bei ansonsten nicht beherrschbarer starker POTS Symptomatik, empfohlen. Nicht empfehlen wollten sie wegen der Sepsisgefahr die unten im Beitrag beschriebene Nutzung eines Dauerzugangs. Außerdem kann es trotz vorheriger Abklärung evtl. vorliegender Blutgerinnungsstörungen, bei POTS Patienten häufiger zu Thrombosen kommen, als bei anderen Infusionspatienten.

 Warum könnten IV Lösungen die Lösung sein?

Die Intravenöse Flüssigkeit muss den Verdauungstrakt nicht passieren, damit werden all die oben genannten Probleme umgangen. Das Salz und die Flüssigkeit  gelangen direkt in den Blutkreislauf und dadurch wird das Blutvolumen erhöht. Bei POTSies mit geringem Blutvolumen kann die Gabe von nur einem Liter die Symptome, wie die Tachykardie, beseitigen oder zumindestens verbessern.

Was kann bei der Infusion Probleme machen?

Das größte Hindernis ist der Zugang. Gerade bei Menschen mit POTS und geringem Blutvolumen sind die Venen meist besonders problematisch beim Legen des Zugangs, noch schwieriger beim hypovolämen Schock.  Zudem hält die Wirkung der Infusionsgabe nicht tagelang an, sie muss immer wieder, i.d.R. mehrmals pro Woche wiederholt werden. Deshalb sollte evtl. an die Legung eines dauerhafteren Zugangs gedacht werden, dazu müssen einige Faktoren beachtet werden.

  • Sind überhaupt geeignete Venen für die Legung häufiger Zugänge vorhanden?
  • Wie lange soll die reguläre IV Therapie genutzt werden?
  • Wäre es möglich, IV zu Hause evtl. alleine oder mit Hilfe eines Familienmitglieds durchzuführen?
  • Wird eine häufige Infusion sowieso auch aus anderen Gründen benötigt?
  • Bevor ein Dauerport oder PICC line gelegt wird, sollte über mehrere Wochen ein Nutzen der Infusionstherapie mit einem peripheren venösen Zugang festgestellt worden sein.

Peripherer Venöser Zugang (Peripherer Venenkatheder)

imageDiese sind die traditionellen Venenkatheder über die Venen der Arme, Hände, Nacken oder Füße. Sie betreffen nur die äußeren (=peripheren) Venen. Die Kanüle, die nur kurze Zeit in der Vene verbleibt, ist weniger als 5 cm lang und wird dann genutzt, wenn der Zugang nur einmal oder seltener pro Woche genutzt wird. Sie sind billig und können ohne großen Aufwand gelegt werden. Der Nachteil der peripheren Venenkatheder  ist, dass sie alle paar Tage neu gelegt werden müssen und im täglichen Leben stark stören.

Zentrale Zugänge

Hierbei gibt es drei verschiedene Möglichkeiten. Bei allen in dieser Art wird der Zugang in die superior vena cava, eine große Vene, welche direkt in die rechte Vorkammer des Herzens führt, gelegt. Ein peripher eingeführten zentralvenöser Katheter (PICC line) wird unter sterilen Bedingungen in eine periphere Vene (typischerweise am Oberarm) eingeführt. Unter Röntgenkontrolle wird der Katheter bis zu einer großen Hohlvene in der Nähe des Herzens vorgeschoben und das Anschlussteil an der Einstichstelle mit einem sterilen Verband fixiert. Diese PICC line kann Tage bis zu einem halben Jahr verbleiben und immer wieder genutzt werden. Solch eine mehrmonatige Verwendung ist auch beim ZVK möglich. Ein Zentraler Venen Katheter (Zentraler Weg,  ZVK) ist  ein durch eine größere Vene in die Vena cava superior oder inferior vorgeschobener Kunststoffschlauch, dessen Spitze vor dem rechten Vorhof des Herzens liegt. Für die längste Dauer, bis zu mehreren Jahren, ist ein Port ausgelegt.

Bei einem Port-System handelt es sich um eine subcutan implantierte Hohlkammer K,mit einem angeschlossenen dünnen Katheter, der meistens in eine obere Hohlvene gelegt wird (auch ein arterieller, peritonealer, spinaler oder periduraler Zugang ist möglich). Durch eine Membran kann die Hohlkammer mit einer speziellen Kanüle angestochen werden, um Infusionen in das System und somit in den Blutkreislauf zu leiten. Für das Legen ist jedoch eine kleine OP mit Anästesie nötig.

Der große Vorteil der drei längerfristigen Zugänge ist, dass sie auch zu Hause genutzt werden können, sie unabhängig von den Öffnungszeiten der Arztpraxen oder Krankenhäuser machen, die Anfahrt sowie die Wartezeiten entfallen und es wird nach dem Einsetzen und einer Einführung auch nicht ständig medizinisches Personal für eine Dauertherapie benötigt.

Einen guten Überblick zur Implantierung, Vor- und Nachteilen zu allen drei langfristigen Systemen könnt ihr euch unter folgenden Folien eines Vortrags verschaffen.

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