Zu schön, um wahr zu sein

Mitte Juni bekam POTS in den englischen Zeitungen große Aufmerksam im Zusammenhang mit Myalgischer Enzephalomyelitis (ME) (oft irreführend als Chronischem Fatigue Syndrom (CFS)bezeichnet). So lautete am 17. Juni 2014 die Überschrift in der Dailymail: Third of ME cases ‚wrongly diagnosed‘: Experts says thousands thought to have chronic fatigue actually have similar condition that can be treated“. (Ein Drittel aller ME Fälle haben die falsche Diagnose: Experten sagen Tausende, die dachten sie hätten Chronische Fatigue, haben eine ähnliche, aber behandelbare Krankheit). Diese „behandelbare“ Erkrankung, oder Condition, von der hier jeweils gesprochen wird, ist POTS. Aber leider ist das zu schön, um wahr zu sein. Der Ursprung all dieser Artikel ist eine Studie von Forschern der Universität von Newcastle mit dem Titel „Postural tachycardia syndrome is associated with significant symptoms and functional impairment predominantly affecting young women: a UK perspective“(„Das Posturale Tachykardie Syndrom ist mit signifikanten Symptomen und funktionellen Störungen assoziiert und tritt vor allem bei jungen Frauen auf: aus britischer Sicht“) . Das Ergebnis wurde am 16.Juni 2014 im frei zugänglichen Medizinjournal BMJ Open veröffentlicht. In den britischen Zeitungen war dazu gemeldet worden, dass ein Drittel der Patienten,  die falsche Diagnose ME, bzw. CFS bekommen haben, obwohl sie in Wirklichkeit  POTS hätten, und POTS wäre behandelbar. Dies stimmt aber leider nicht mit dem  Ergebnis der Studie überein. Im Gegenteil, in der Studie wird betont, dass  diese Erkrankungen  noch recht unerforscht sind und man noch zu wenig über sie weiß. Es ist aber durch die Studie deutlich geworden, dass es eine große Überlappung bei den Patientengruppen gibt. Aus diesen Überlappungen kann jedoch nicht automatisch gefolgert werden, dass eine Diagnose ME falsch sein muss, wenn zu den vorhandener Symptomen eine übermäßige Herzratensteigeung, wie sie beim POTS auftritt, dazukommt. Außerdem ist  POTS, genauso wie ME, mit den heute bekannten Behandlungsoptionen schwierig zu managen. Das ist, so die Forscher, besonders tragisch, da diese  das Leben der Betroffenen in wirklich starken Ausmaßen und für lange Zeit beeinträchtigen können. Sie fordern daher für POTS eine weitere Bekanntmachung dieser oft zur Invalidität führenden Erkrankung, um Verständnis, Diagnose und Behandlung  zu verbessern.

Ich frage mich schon, wie diese Studie so falsch interpretiert werden konnte. Sie ist in keiner Weise uneindeutig. Selbst ich, mit vorwiegend Schulenglisch Kenntnissen, hatte keine Schwierigkeiten sie zu verstehen. Wie kann einem Journalisten solch ein Fehler, solche Verdrehung von Aussagen unterlaufen. Aus der in der Studie beschriebenen schwer beeinträchtigenden Syndrome und der Forderung nach mehr Forschung, Verständnis  und Aufklärung wird in den Zeitungsartikeln eine häufige Fehldiagnose und Behandelbarkeit von einem Drittel der Fälle!? Kann das wirklich nur ein dummes Missverständnis sein? Irgendwie ist das kaum zu glauben. Zu häufig werden in den Medien Fehlinformationen und verharmlosende Beiträge zu den Krankheiten wie  POTS und ME weitergegeben.


					
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