Vom POTS Betroffene werden ziemlich oft mit der Diagnose „Angststörung“ konfrontiert. Die Geschichte verläuft oft folgendermaßen: Bei der Untersuchung beim Kardiologen  wird kein Kipptisch gemacht, die orthostatische Tachykardie bleibt unentdeckt und die normalen Untersuchungen sind +/- unauffällig. Jedenfalls ist kein ausgesprochen niedriger Blutddruck, der die Symptome für die Kardiologen erklären würde, zu messen.  Deshalb wird angenommen, dass es sich vielleicht um psychogene Symptome handelt. ? Erlebt der Betroffene dann einige Episoden mit Synkope (Kreislaufkollaps) oder Präsynkopen, dann kann es auf diesem Weg zu einer Panikattacke gekommen sein. Bis  der evtl. gerufene Rettungswagen da war, der Betroffene im Krankenwagen lag und notfallmäßig untersucht wurde, hat sich das Herz oft wieder beruhigt. In starker Erinnerung  bleibt jedoch die Panikattacke. Angst  erhöht den Herzschlag und bei einer Panik kommt es zum Herzrasen, so liegt bei fehlenden anderen harten Werten nahe, die Synkope und das Herzrasen ärztlicherseits durch eine Panikattacke zu erklären. Entgegnet der Betroffene, es wäre zuerst der Schwindel und der präsynkope Zustand, das Herzrasen, der Druck auf die Brust, ….. dagewesen und erst dann die Panik dazugekommen, wird darauf entgegnet, dass vielleicht ein leichter Schwindel da war, z. B.  vom zu schnellen Aufstehen oder ….. , aber dann hat die Angst vor einer Synkope zu einer echten Panikattacke geführt. Ohne die Angst vor der Angst hätte es daher die Panik und auch die Synkope nicht gegeben. Es wird nun eine Angst/Panikstörung diagnostiziert und evtl. eine Psychotherapie, Cardiotraining und/oder medikamentöse Behandlung angeraten.

Liest man sich die Symptome zur Panikstörung durch (http://de.wikipedia.org/wiki/Panikst%C3%B6rung) wird man viele Ähnlichkeiten mit dem Zustand vom POTS bei  Präsynkope feststellen können. Das ist auch nicht verwunderlich. Bei der Panikreaktion bereitet sich der Körper mit erhöhter Adrenalin-Ausschüttung blitzschnell auf eine Kampf-/Fluchtreaktion vor. Bei der Präsynkope bei POTS soll  jedoch die stark erhöhte Ausschüttung von Adrenalinen einen Kreislaufkollaps verhindern. Eine gefühlte Wirkung, die Panik, ist dabei gleich, die Ursache ist aber grundverschieden. Wie leicht es dann zu einer Umdefinierung/Fehldiagnose vom POTS zur Angststörung kommt,  ist gut an diesem Beitrag „Schwindel“ der MASH Münchner Angst-SelbstHilfe c/o Angst-Hilfe e.V. München zu erkennen.

Kann POTS zu einer Angststörung beitragen? Meiner Meinung nach, ist es keine Störung, wenn man sich ängstlich fühlt, weil man durch Schwindelgefühl gangunsicher wird, die Umwelt nicht mehr fokussieren kann,  sich nicht mehr ausreichend konzentrieren kann, sich im Gehirn das Gefühl von „Nebel“ breit macht. Wie soll man denn in diesem Zustand, den Ansprüchen des normalen Lebens, besonders des Arbeitslebens, gewachsen sein? Daraufhin eine Angst hinsichtlich konkreter, durch Schwindelgefühl überfordernde Situationen, zu entwickeln, ist vielleicht störend, aber völlig normal. Trotzdem hatten, bei einer standartisierten Untersuchung von POTS Betroffenen hinsichtlich Angststörungen (structured evaluation for Diagnostic and Statistical Manual),  diese weder vermehrt Angststörungen, noch Depressionen  und auch keinen höheren Verbrauch an Psychopharmaka/Drogen, verglichen mit der Normalbevölkerung (Raj V, Haman KL, Raj SR, Byrne D, Blakely RD, Biaggioni I, Robertson D, Shelton RC: Psychatirc profile and attention deficits in postural tachycardia syndrome. J Neurol Neurosurg Psychatry. 2009:80:339-344).  Abstract/FREE Full Text

Auch in Deutschland ist eine Studie  speziell zum POTS und Angststörungen gemacht worden und die Untersuchenden haben das Ergebnis so interpretiert, dass die Angst ein Begleitsymptom des orthostatischen Syndroms darstellt, nicht aber die Ursache.

Hat jedoch ein vom POTS Betroffener das Gefühl, dass sein Leben, zusätzlich zu den körperlichern POTS Symptomen, durch zu viel Angst vor überfordernden Situationen, eingeschränkt wird, sollte eine Therapie gegen die Angst in Anspruch genommen werden.

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  1. Silvia Fuchs sagt:

    Es ist absolut schlimm als Pots Patient immer wieder psychiatrisch fehlinterpretiert werden. Bei mir hat es Jahrzehnte gedauert bis man auf die Ursache meiner Beschwerden gekommen ist. Ich hatte Glück einen Arzt zu finden der sich mit dieser Krankheit auskennt und der immer ein offenes Ohr für meine Probleme hat (mein Dank an OA Dr. Walter Struhal AKH Linz). Er hat mir den Glauben an die Mediziner wiedergegeben.

  2. potsieplatz sagt:

    Hallo Silvia, vielen lieben Dank für deine Schilderungen und Kommentare. Du musstest ja inzwischen schon lange mit POTS leben. Es war leider nicht auf die Jugendjahre oder auf einige Zeit nach einer viralen oder bakteriellen Infektion begrenzt. Wurde/wird bei dur von ärztlicher Seite weiter nach der Ursache gesucht? Nimmst du Medikamente, hat sich dein Leben nach der Diagnose verändert? Ist OA Dr. Struhal an irgendeiner Forschung zum Bereich POTS beteiligt?

    Alles Gute für die Zukunft

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